Die grüne Notfallapotheke für den Sommer – Corinna Siegle
Was Kräuter bei Mückenstichen & Co. wirklich können
Jetzt ist Hochsaison für kleine Sommer-Wehwehchen: Ein Mückenstich hier, eine Schürfwunde vom Spielplatz da oder vielleicht noch ein bisschen zu viel Sonne abbekommen.
Bevor gleich zur Salbe aus der Apotheke gegriffen wird, lohnt sich ein Blick auf das, was direkt vor der Haustür wächst. Viele Heilpflanzen sind seit Generationen bewährte Helfer für genau solche Situationen und bieten Familien eine wunderbare Gelegenheit, gemeinsam mit den Kindern die Natur zu entdecken.
Was blüht denn da?
SPITZWEGERICH – DER KLASSIKER GEGEN INSEKTENSTICH
Kaum eine Pflanze ist so eng mit der „Wanderapotheke“ verbunden wie der Spitzwegerich. Er wächst praktisch überall: am Wegesrand, auf Wiesen und im Garten – und ist deshalb ideal für unterwegs.
So wird er angewendet: Ein frisches Blatt zwischen den Händen zerreiben oder kurz zerkauen, bis Saft austritt, und direkt auf den Insektenstich legen. Die enthaltenen Schleim- und Gerbstoffe wirken kühlend und können das Jucken lindern. Für Kinder ist das oft ein kleines Abenteuer.
Praktisch für zu Hause: Wer regelmäßig sammelt, kann aus den Blättern auch ein Mazerat (Ölauszug) oder eine einfache Tinktur herstellen, die sich länger hält als das frische Blatt.
Für eine Tinktur eine Handvoll getrockneten Spitzwegerich gut zerkleinern und in ein Schraubglas geben. Mit Trinkalkohol übergießen, sodass das Kraut großzügig bedeckt ist. Drei Wochen an einem dunklen Ort stehen lassen, ab und zu schwenken und anschließend abgießen.
RINGELBLUME – SANFTE PFLEGE FÜR GEREIZTE HAUT
Die Ringelblume (Calendula) ist ein Allrounder für kleine Hautverletzungen, Sonnenbrand und trockene Stellen nach viel Zeit im Freien. Ihre entzündungshemmenden und hautberuhigenden Eigenschaften machen sie zu einem festen Bestandteil vieler Familien-Hausapotheken.
So wird sie angewendet: Eine fertige Ringelblumensalbe (selbst hergestellt oder aus dem Reformhaus) eignet sich gut für kleine Kratzer, raue Ellenbogen oder als Pflege nach einem Insektenstich, wenn die akute Rötung bereits abgeklungen ist.
Um eine Ringelblumensalbe selbst herzustellen, die Blütenköpfe (10 Stück) mörsern und in Öl ausziehen.
Ein Blütenkopf benötigt 2 cl (1 Schnapsglas) Olivenöl. Das Öl am besten bei 40 Grad für 30 Minuten in einem Topf erwärmen. Anschließend abgießen und mit 1 Esslöffel Bienenwachs erneut erwärmen, bis das Wachs geschmolzen ist. Danach die Salbe in Dosen oder Schraubgläser abfüllen.
KAMILLE – DER ALLESKÖNNER BEI ENTZÜNDUNGEN
Kamillentee ist bekannt, aber auch äußerlich angewendet leistet die Kamille gute Dienste. Ein abgekühlter, stark aufgebrühter Kamillentee eignet sich als Waschung für gereizte Haut oder als kühlender Umschlag bei leichtem Sonnenbrand.
Wichtig zu wissen: Kamille wirkt entzündungshemmend, aber bei sehr empfindlicher Haut oder einer bekannten Allergie gegen Korbblütler sollte vorsichtig an einer kleinen Hautstelle getestet werden.
EINE KLEINE SOMMER-WANDERAPOTHEKE FÜR DIE FAMILIE
Für den nächsten Ausflug lohnt sich eine kleine Zusammenstellung:
– Spitzwegerichblätter (frisch gepflückt oder als Tinktur) für Insektenstiche.
– Ringelblumensalbe für kleine Wunden und strapazierte Haut.
– Kamillentee als Umschlag bei Sonnenbrand oder gereizter Haut.
– Kühles Wasser für den ersten Moment, bevor überhaupt eine Pflanze zum Einsatz kommt.
Die Natur hält für viele kleine Sommerprobleme sanfte Antworten bereit. Gemeinsames Sammeln und Anwenden macht nebenbei noch Spaß und stärkt das Bewusstsein für die Pflanzenwelt vor der eigenen Haustür.
Ein Beitrag von Corinna Siegle, Heilpraktikerin. Naturheilpraxis Heilbronn, In den Lachen 2/1, Erlenbach www.naturheilpraxisheilbronn.de